Halo-Effekt

Halo-Effekt:
Wie können Sie den Halo-Effekt für sich nutzen?

In der letzten Woche habe ich auf LinkedIn einen Beitrag zum Thema „Sind Kurzarmhemden eigentlich ok?“ veröffentlicht und eine engagierte und polarisierende Diskussion in den Kommentaren ausgelöst. In den Kommentaren wurde unter anderem auch nach dem Sinn des Beitrags gefragt.

Wichtiger als die Kurzarmhemden selbst sind für mich der Beitrag und die Reaktionen darauf als Erinnerung an die Bedeutung des Halo-Effekt. Denn der Halo-Effekt macht uns regelmäßig das (Geschäfts-) Leben unnötig schwer.

Beispiele für den Halo-Effekt:

Attraktive Menschen sind kompetenter.

Männer in Kurzarmhemden arbeiten weniger professionell.

Menschen mit aufgeräumtem Schreibtisch sind verlässlicher.

Soldaten mit guter Körperhaltung schießen besser.

Männer mit ungepflegten Schuhen behandeln Ihre Partnerin schlechter.

Bei rationaler Betrachtung erkennen wir vermutlich schnell, dass diese Aussagen einen Bewertungsfehler in sich tragen. Hier ist der Halo-Effekt, auf Deutsch Heiligenschein-Effekt, eine weitverbreitete kognitive Verzerrung im Spiel.

Und doch können wir uns nicht dagegen wehren, dass wir alle regelmäßig dieser Verzerrung unterliegen. Die letzte Aussage ist übrigens der O-Ton einer Seminarteilnehmerin.
Und stimmt die Aussage? Für sie ja und damit wird der Zustand der Schuhe tatsächlich einen Einfluss darauf haben, wie diese Frau Männer beurteilt. Ja, ich höre das kollektive Aufstöhnen…

Bringen wir ein wenig Wissenschaft ins Spiel: Die Aussage zu den Schießkünsten in Abhängigkeit von der guten Körperhaltung ist das Resultat eines wissenschaftlichen Experiments (Thorndike & Allport). Offizier trauten Untergebenen mit guter Körperhaltung bessere Schießkünste zu. Ein echter Zusammenhang lässt sich jedoch nicht nachweisen.

Doch weshalb begehen wir einen so offensichtlichen Bewertungsfehler wie den Halo-Effekt?

Unser Gehirn ist durch Millionen von Jahren evolutionär geprägt. Und weil schnelle Entscheidungen in der meisten Zeit unserer Evolution überlebenswichtig waren, hat unser Gehirn gelernt, schnelle Bewertungen vorzunehmen. Und diese Bewertungen passieren hauptsächlich auf der Basis von einfachen, effizienten Denkstrategien (Heuristiken), die schnelle Ergebnisse produzieren. Schneller als die langsamen, rationalen (vernunftbasierten) Denkprozesse. Unser Gehirn zieht also schnelle Schlussfolgerungen auf der Basis weniger Informationen und bereits vorhandener Bewertungsraster erst einmal vor. Natürlich können wir diese Bewertungsfehler rational korrigieren. Wenn wir sie erkennen. Und hier liegt die Herausforderung.

Da unser Gehirn vorwiegend für uns unerkannt im Unbewussten arbeitet und wir den weitaus größten Teil aller Entscheidungen unbewusst treffen, machen wir alle jeden Tag jede Menge dieser Bewertungsfehler.

Dazu kommt, dass unser Gehirn dazu tendiert (vorwiegend unbewusst) eher nach Bestätigungen für eine getroffene Entscheidung zu suchen, als Gründe zu finden, die Entscheidung oder Bewertung zu revidieren.

Wen ich also glaube (eventuell ohne, dass es mir bewusst ist), dass Kurzarmhemdenträger weniger professionell sind, dann findet mein Gehirn sicher genug Indizien dafür, dass ich recht habe. Genau wie andersherum. Diese Arbeitsweise des Gehirns in einem schnellen und einem langsam „System“ der Entscheidungsfindung ist im Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“* von Nobelpreisträger D. Kahnemann mit vielen Beispielen ausführlich beschrieben.

Und nun zur vermutlich wichtigsten Frage:

Wie können wir den Halo-Effekt in der Praxis für uns nutzen?

Der erste Eindruck zählt!

Der Halo-Effekt sorgt auch dafür, dass wir die Wahrnehmung des ersten Eindrucks auf alle folgenden Bewertungen und Entscheidungen übertragen. Einem Menschen in (aus unserer Perspektive) passender Kleidung, trauen wir z. B. unbewusst mehr Kompetenz zu.

Nutzen wir also diesen Effekt, indem wir uns fragen, wer uns an diesem Tag begegnet. Und wie wir bei diesem oder diesen Menschen einen guten ersten Eindruck hinterlassen.

Aus der Körperhaltung eines Menschen schließt unser Gehirn unbewusst auf dessen Souveränität im Leben. Und Souveränität verbinden wir unbewusst mit Kompetenz.

Wenn ich also eine Präsentation zu einem Thema halte, bestimmt bereits die Art und Weise, wie ich nach vorn trete, wie die Inhalte meiner Präsentation bewertet werden. (So zeigen Studien, dass selbstbewusst auftretende Menschen bei gleicher Kompetenz im Durchschnitt kompetenter beurteilt werden – der Halo-Effekt in voller Blüte.)

Tragen Sie also das oben erwähnte Hemd mit kurzen Ärmeln nur, wenn Sie sicher sind, dass Sie damit den gewünschten Eindruck hinterlassen. (Und nicht, weil es einfach nur bequemer ist…) Mehr dazu im Hemden-Knigge

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Den Halo-Effekt in einer Präsentation nutzen – mit einem starken Start

In meinen Trainings & Coachings für Präsentationskompetenz lege ich bei meiner Präsentationsmethode viel Wert auf einen starken Start. Und das aus mehreren Gründen.

Zum einen nutzt ein überzeugender Start den Halo-Effekt, weil das Gehirn auch die nachfolgenden Inhalte positiver beurteilt. Und zum anderen, weil es am Anfang einer Präsentation essenziell ist, das Gehirn der Zuschauer neugierig zu machen. Mehr zum starken Start und meinen „Präsentationsgeboten“ gibts in meinem (kostenlosen*) Online-Kurs mit dem gleichen Namen.

Wählen Sie also auch eine starke erste Präsentationsfolie, wenn Sie mit Folien arbeiten.

Sieht Ihre erste Folie bereits so langweilig aus, wie das Titelblatt einer trockenen wissenschaftlichen Abhandlung? Dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihre Zuschauer das gleiche vom Inhalt Ihres Vortrags erwarten. Der Halo-Effekt arbeitet gegen Sie.

Außerdem ist es sinnvoll, dass wir unsere Entscheidungen öfter hinterfragen. Um nicht vom Halo-Effekt ausgetrickst zu werden:

So gehen wir zum Beispiel oft davon aus, dass ein Laden oder Supermarkt günstig ist, wenn ein paar Schlüsselprodukte günstig angeboten werden. Doch stimmt das wirklich?

Sagt eine hochwertige Verpackung wirklich etwas über die Produktqualität aus?

Oder ist ein Produkt in brauner Papierverpackung tatsächlich nachhaltiger?

Sagt ein:e erfolgreiche:r Influencer tatsächlich etwas über das beworbene Produkt aus?

Halo-Effekt - Haben es attraktive Menschen leichter im Leben?

Schöne Menschen verdienen mehr Geld:
Studien zeigen immer wieder, dass Attraktivität bei der Bewerbung und beim Gehalt eine Rolle spielt.
Schöne Menschen sind beliebter: Andere Menschen treten ihnen oft positiver entgegen.
Schöne Menschen haben oft ein hohes Selbstwertgefühl aufgrund ihres Aussehens.
Schöne Menschen erhalten mildere Strafen, bessere Noten und mehr Platz auf dem Bürgersteig

So erklärt das die Wissenschaft:
Hier wirkt der Halo-Effekt: Die physische Attraktivität ist so beeindruckend, dass den Menschen unbewusst noch andere positive Eigenschaften zugeschrieben werden. Egal, ob sie diese wirklich besitzen oder nicht. Zu diesen Eigenschaften gehören unter anderem Intelligenz, Soziale Kompetenz und Dominanz.
(Quellen: Mobius et. al – 2006)

Dazu habe ich einen eigenen Blogbeitrag geschrieben: „Sind attraktive Menschen erfolgreicher?“

Halo-Effekt Zusammenfassung:

In unserem Gehirn arbeiten zwei Systeme. Ein schnelles, das primär heuristisch entscheidet. Und ein langsames, das algorithmisch rational entscheidet.

Dies führt dazu, dass wir die Präsentation eines Menschen z. B. danach beurteilen, wie sie oder er gekleidet ist.
Oder wie jemand sich zum Präsentieren nach vorn bewegt. Oder wie die erste Folie der Präsentation aussieht.

Nutzen wir diese Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen Forschung, um unsere (beruflichen) Ziele im Leben einfacher und leichter zu erreichen.

Alexander Plath | Trainer, Speaker, Coach für GEHIRNgerechte Präsentation, Rhetorik, Kommunikation und wirkungsvolle Führung.

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